Neu in Deutschland - Nr. 12

30 In Damaskus war ein Auto wichtig! Je größer und teurer das Auto, desto besser, Wer ein großes Auto hatte, zeigte das auch gerne. Ich fand das toll! Es war auch üblich, dass große Familien sich für ein Wochenende einen Van mieteten. Nahed Al Essa Für ein Mädchen ist es gefährlich, Fahr- rad zu fahren. Das Jungfernhäutchen könnte beschädigt werden (was für ein Mädchen einer Todesstrafe gleich- kommt). Als Kind wurde mir erklärt: Mädchen ist es nicht erlaubt, Fahrrad zu fahren. Nur Jungen dürfen Fahrrad fah- ren. Das erschien mir schon als junges Mädchen unlogisch. Lamia Hassow Ich habe mein ganzes Leben in Damas- kus verbracht. Heute bin ich 55 Jahre alt und zu den vielen Dingen, die ich in Deutschland lernen oder neu anfangen muss, gehört das Fahrradfahren. G.H., Bochum Unter dem Titel „Fahren Frauen in Syrien Fahrrad?“ standen im September 2018 die Texte von Frauen im Mittelpunkt. Zusammen mit den Schauspielerinnen Maria Wolf und Yvonne Forster präsen- tierte das nid-Frauen-Team eigene Texte auf der Bühne, musikalisch begleitet von Mizgina Rengin. Mit Bildern der jungen syrischen Künstlerin Dilvin Ali. Bevor ich nach Deutschland kam, hatte ich gehört, wie frei und selbständig die Frauen hier leben. Diese Frauen wollte ich unbedingt kennenlernen. Lamia Hassow Ob Frauen in Syrien Fahrrad fahren? Ich würde sagen: 10 Prozent. Ich kann nicht Fahrrad fahren. Laila Ammi Ich fahre Fahrrad, seit ich fünf Jahre alt bin. Meine Mutter und mein Onkel haben es mir beigebracht. Ich komme aus Daraa. In meiner Familie fahren alle Frauen Fahrrad. Nour Al Zoubi Was das Fahrrad mit Freiheit und Gleichberechtigung zu tun hat, wurde in einer Lesung des nid-Frauen-Teams im Rottstr5-Theater deutlich: in aller Vielfalt und Stärke, die an diesem Abend von den Frauen (und Issam Alnajm) auf die Bühne gebracht wurde. (Fotos: Michael Stuka) „Fahren Frauen in Syrien Fahrrad?“ Dima Halabi, Mizgina Rengin, Lamia Hassow, Hiba Nasab (v.l.n.r.) Mut Von Issam Alnajm Als ich versuchte zu leben stand die Zeit vor mir der Abschied von meiner Familie und die Flucht. Ich musste eine Entscheidung treffen wo und wie ich leben möchte. Meine Augen strahlten meine Ängste stiegen mein Atmen war tief und mein Herz schlug. Ich stand neben mir nahmmeine Hand und gab mir Kraft. Ein Schritt nach vorne ein Schritt nach hinten. Ich sah meine Mutter weinen ich sah meinen Vater traurig es beginnt. Meine Schritte ins Auto mein Abschied von Allem und meine Flucht. Ich verließ meine Heimat meine Erinnerungen meine Katzen und meine Bücher. Ich hörte in mir eine tiefe Stimme „Du schaffst das!“ Es war mein Mut. Der Mut den wir immer brauchen wenn wir ins Leben kommen müssen. Im Rahmen der Interkulturellen Woche Bochum 2018, gefördert durch das NRW Landesbüro Freie Darstellen- de Künste, das zudem eine nid-Sonderausgabe „Frau- en“ finanziert, die demnächst erscheint. Die Kooperation zwischen der nid-Zeitung und dem Rottstr5-Theater besteht seit 2016. Die Lesung am 24. September 2018 war die vierte gemeinsame Veranstal- tung an der Rottstraße; neben gemeinsamen Veran- staltungen an anderen Orten. Issam Alnajm Foto: Michael Stuka Das nid-Team im Rottstr5-Theater Maria Wolf und Yvonne Forster vom Rottstr5-Theater- Ensemble Issam Alnajm, Foto: Michael Stuka

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