Neu in Deutschland - Nr. 12

28 Die Tage vergehen. So schnell. Schneller als ich denke. Als wäre es gestern gewesen, erinnere ich mich an den Tag, an dem ich mein Heimatland verlassen habe, den Iran. Was in fünf Jahren sein wird? Ich stelle mir vor, in fünf Jahren werde ich ein altes, gro- ßes Haus mit einem großen Hof haben. In der Mitte des Hofes befindet sich ein kleiner Brunnen, in dem kleine rote Fische herum- schwimmen. Genau wie in meiner Kindheit, im Haus meiner Großeltern. Auf den Rand des Brunnens werde ich Geranien gestellt haben. Im Hof wachsen viele verschiedene Blumen. Im Hof steht ein schwarzer Maulbeerbaum, daneben ein Apfelbaum. Auf der anderen Seite ist eine Schaukel angebracht, für Kin- der. Jeden Nachmittag fege ich meinen Hof und versprühe danach Wasser, um die Luft im Hof abzukühlen. Genau wie meine Groß- mutter es gemacht hat. Der Blumenduft verbreitet sich im Hof. Im Sommer stelle ich eine Bank in den Hof und darauf lege ich einen kleinen Teppich. Ein Samowar mit Teekanne, Wassermelonen, hausgemach- te Süßigkeiten stehen auf einem kleinen Tisch. All das sind herrliche Erinnerungen an meine Kindheit. Ich bin zufrieden in Deutschland, wo ich jetzt wohne. Deutschland ist für mich ein gastfreundliches Land. Aber in fünf Jahren möchte ich meine Familie, Freundinnen und mein Heimatland besuchen können. Ich ver- misse sie alle sehr, besonders meine Stadt Kermanshah. Ich würde gerne wieder in den Straßen meiner Stadt bummeln, die alten Stadtviertel anschauen und persischen Reis mit Safranhuhn essen. Ich wünsche den Menschen meines Landes Frieden. Und Ruhe. Ich hoffe, der Iran kann eines Tages ein glückliches Land sein, ohne Stress, ohne Krieg, ohne Armut. Mit Mei- nungsfreiheit, Religionsfrei- heit, Pressefreiheit. Ein demo- kratisches Land. Ich wünsche mir, dass unsere Zeitung „Neu in Deutschland“ in fünf Jahren ein großes Redaktionsbüro hat, in einem großen Haus, mit vielen Mitar- beitern. So könnten wir mit unseren Worten viele Menschen erreichen. Ich möchte den Menschen, die unsere Zeitung lesen, gerne von meinem Heimatland erzählen, der Kul- tur, unseren Traditionen. Davon, wie wir un- sere Feste feiern, das neue Jahr begrüßen. Ich möchte gerne vielen sagen: Die Men- schen aus dem Iran sind friedliche Leute. Ich wünsche mir für alle Menschen Frieden und Ruhe in der Welt. Nahid. Darabian ... nachmittags den Hof meines Hauses fegen, in einem Brunnen schwim- men kleine rote Fische und auf einem kleinen Tisch stehen hausgemachte Süßigkeiten für Gäste, träumt Nahid Darabian aus dem Iran. Von Nahid Darabian In fünf Jahre werde ich... „Auch Alis werden Professor“ Die ungewöhnliche Karriere von Prof. Dr. Ahmet Toprak macht vielen Menschen in Deutschland Mut. An der FH Dortmund ist er auch für viele geflüchtete junge Men- schen ein Vorbild - und eine Hoffnung. Als Sohn türkischer Gastarbeiter kam Prof. Dr. Ahmet Toprak 1980 nach Deutschland, stolperte über das deutsche Bildungssys- tem, über Vorurteile und andere Tücken der Integration - und lehrt mittlerweile seit über zehn Jahren als Professor für Erziehungs- wissenschaften an der FH Dortmund. Wie das gelingen konnte? Davon erzählt Toprak sehr persönlich und humorvoll in seinem aktuellen Buch „Auch Alis werden Profes- sor“ (Lambertus Verlag, 2017). Im Oktober organisierte der AStA der FH Dortmund eine Lesung mit Prof. Toprak und dem nid-Team zum Thema „ICH und WIR“, in Kooperation mit dem International Office der FH Dortmund. Prof. Dr. Ahmet Toprak bei einer Lesung mit dem nid-Team. Mahmoud Aldalati, Lamia Hassow, Issam Alnajm, Dorte Huneke- Nollmann (v.r.n.l.) vom nid-Team an der FH Dortmund. Ich kann hier meine Meinung äußern www.nid-zeitung.de zeitung über flucht, liebe und das leben neu in deutschland

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